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Hintergründe

Die Spielregel von SIX beruht auf einer jahrhundert alten Idee, die zum ersten mal vielleicht im chinesischen Gobang ihren Ausdruck in einem Spiel fand. Es geht darum, auf einem Spielfeld eine bestimmte Anzahl von Steinen in einer Reihe abzulegen und gleichzeitig zu verhindern, dass der Gegenspieler das Ziel zuerst erreicht. Gelegt wird abwechselnd Stein um Stein.
Gobang und seine „Kinder“ wie z.B. 4 gewinnt oder Tic Tac Toe werden alle auf einem horizontal-vertikalem Gitter gespielt SIX auf einem hexagonalen (Bienenwaben) Feld. Dem Menschen ist die horizontale und vertikale Linie mitgegeben. Das Bewusstsein für die Vertikale hält unseren eigenen Körper ständig im Lot, der Horizont bildet hierzu den gut erkennbaren rechten Winkel (fast jeder Mensch kann mit bloßem Auge feststellen, ob ein Bild an der Wand gerade hängt oder nicht).
Beim hexagonalen Muster kann sich das Auge je nach Betrachtungsweise immer nur an einer Geraden festhalten. Die beiden anderen kreuzenden Linien sind Diagonale und alles, was sich auf einem solchen Linienfeld, das aus drei verschiedenen Richtungen zusammenläuft abspielt, ist für uns erheblich schwerer zu erfassen. Gerade das macht natürlich den Reiz und die Anforderung von SIX, AVA, Havannah und anderen Spielen aus, die auf einem solchen Feld gespielt werden.
Eine Besonderheit von SIX besteht darin, dass es kein Feld mehr gibt. Diese formale Idee beruht auf einer einfachen Erkenntnis: Gibt man jedem einzelnen Spielstein die Form des Spielfeldes, kann man das Spielfeld an sich weglassen. Durch aneinanderlegen der Steine entsteht das Feld während des Spiels dort wo es gebraucht wird von ganz alleine.
Die Steine sind das Feld. Jeder Stein trägt das gesamte Spielfeld in sich, seine Kontur stellt das Prinzip des Feldes dar. Jeder einzelne (Bau-) Stein ist vollständiges Abbild des gesamten Bauplans. Das ist natürlich nur möglich, wenn der ganze Bauplan aus einem einzigen Grundmuster besteht. Im Falle von SIX ist dieses Muster das Sechseck. Legt man viele kleine sechseckige Steine Seite an Seite aneinander entsteht das, dem Spiel zugrunde liegende, hexagonale Gitter.
Jeder Spieler, der einen Spielstein ablegt vollzieht damit zwei Handlungen auf einmal: 1. Er baut das Spielfeld auf (indem er ein sechseckiges Feld hinzufügt) 2. Er nimmt das neue Feld direkt für sich in Anspruch ( indem er einen Stein seiner Farbe legt)
Dasselbe Spiel kann man natürlich auch mit runden Steinen auf einem tatsächlichen Feld austragen (siehe AVA), aber es ist doch nicht ganz dasselbe. Bei SIX ist es nicht möglich, isolierte Steine in den „leeren Raum“ zu legen. Um zu gewährleisten, dass das Muster korrekt entsteht, müssen alle Steine direkt aneinander gelegt werden. Auf einem Spielplan ist das nicht nötig, das Muster ist schon vorhanden.
Die Spielregel von Gobang und allen Nachfolgespielen bringt es aber mit sich, dass in den meisten Fällen die Steine sowieso Dicht an Dicht gelegt werden müssen, um zu verhindern, dass der Gegner sich nicht meiner Kontrolle entzieht. So ist dieser Unterschied kaum spürbar.
Entscheidender ist ein zweiter Unterschied: Wenn es kein Spielfeld gibt, gibt es auch keinen Rand mehr. Bei SIX wird quasi auf einem endlosen hexagonalen Muster gespielt. Man kann so lange Stein an Stein legen, wie man will, niemals wird man einen Spielfeldrand erreichen (höchstens den Rand des Tisches). Bei Legespielen, die auf einem begrenzten Spielplan ausgetragen werden, haben die Randfelder aber durchaus eine taktische Bedeutung und können Teil einer Strategie sein. Solche Strategien gibt es bei SIX nicht. Das mag in manchen Spielsituationen ein Vorteil, manchmal auch ein Nachteil sein. Auf jeden Fall gibt es dem Spiel einen eigenen Charakter.
Das Beste an SIX aber ist für mich die Tatsache, dass man mit nichts als einer Hand voll Steinen auf jeder beliebigen Unterlage ein komplexes kleines Strategiespiel spielen kann.


Krastel im Januar 2004